Wenn Autorinnen Handlungen aus der Sicht eines Mannes erzählen; kann funktionieren, muss aber nicht – Alex Wagner: „Die Toten von Vindobona: Ein Kriminalroman aus dem römischen Wien“

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Vindobona, römisches Legionslager und Zivilstadt an der Grenze zum Barbaricum, im 2. Jahrhundert nach Christus: Thanar, Sohn eines germanischen Stammesfürsten und zwielichtiger Händler, wird des Mordes an einem römischen Offizier beschuldigt. Damit nicht genug, wird er kurz darauf auf nächtlicher Straße selbst Zielscheibe eines Attentäters. Die Spur führt zum „Griechen“, einem stadtbekannten Sklavenhändler, in dessen Villa sich die Reichen und Mächtigen von Vindobona dem Luxus hingeben – und den schönsten Mädchen der Provinz. Und schon bald sterben weitere angesehene Einwohner der Stadt … – Covertext-

Asche auf mein Haupt, das Buch erhielt ich als im Oktober letzten Jahres als Rezensionsexemplar und habe es erst jetzt gelesen. Doch lieber spät als nie und es ist ja auch kein schlechter Roman oder schlechter historischer Krimi – aber für mich aber auch kein sehr guter. Warum, darüber möchte ich jetzt reflektieren.

Wie der Covertext bereits Preis gibt es geht um einen reichen Germanen, der am Rande Vindobonas lebt und auf dessem Gebiet die Leiche eines römischen Legionärs gefunden wird, wodurch er natürlich erst einmal unter Generalverdacht fällt und nunmehr selbst im Verlauf der Handlung immer wieder seine Unschuld herausstellen muss. Die Begebenheiten und noch folgenden Morde führen in die Villa eines reichen Griechen, der eine Art Luxusbordell für die Reichen der Stadt führt. Die Ereignisse, Ermittlungen und Schlussfolgerungen der Akteure bringen zunehmend fast jeden der Hauptprotagonisten offensichtlich unter Tatverdacht (natürlich nur nicht den eigentlichen Täter). Dieser wird am Ende des Romans in einem Showdown entlarvt.

Tja, so weit so gut.
War es ein Krimi? Ja.
War es ein historischer Krimi? Ja.
Ein historischer Krimi im römischen Wien? Eher nein. Er spielte vor den Toren Wiens und gab nur indirekt und sehr wenig über das antike Wien zum Besten.

Soviel zum Thema des Buches.
Was mich persönlich irgendwie gar nicht ansprach war der Schreibstil der Autorin. Sicher, der Roman ist gut geschrieben und leicht zu lesen. Ich habe nicht lange gebraucht und musste ihn auch nicht großartig aus der Hand legen, aber der Erzählstil aus der Sicht des Protagonisten war für mich nicht überzeugend.
Ich kann nur versuchen es in Worte zu fassen. Thanar ist eine männliche Hauptfigur; mit einer weiblichen Hauptprotagonistin hätte die Handlung nicht funktioniert aber nach zwei Kapiteln wurde mir beim Lesen immer wieder bewusst, dass den Roman eine Frau geschrieben hat. Der ganze Stil war mir zu sehr Frauenroman. Ich kann es leider nicht anders verbalisieren.
Und den Fall hatte ich kurz nach der Hälfte des Romans gelöst. Dazu war die Handlung mit den immer neuen Verdächtigungen zu sehr „Schema F“ – es ist immer die unverdächtigste und schützenswerteste Person, zumal der sich grundlegend heraus kristallisierende Motivkern im Zusammenhang mit dem Milieu nur sehr wenige Personen mit einem Rachemotiv zuließ.

Aber gut jetzt, ich will den Roman nicht schlechter machen als er wirklich ist. Denn er ist auf jeden Fall eine leichte und kurzweilige Kriminallektüre, die Leser diesen Genres gewiss ansprechen wird. Da es Ansichtssache ist, wie gut man den Schreibstil findet, kommt es in eben jenes Regal – Ansichtssache. Man sollte sich als Leser wirklich selbst ein Urteil bilden.

ISBN: 9781724104823
Verlag: Independently published
Erscheinungsdatum: 08.10.2018
Erscheinungsform: Taschenbuch
Preis: 9,99 €

 

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