Fantasy, aber kein Kinderbuch – Annina Safrans Debüt: „Der Spiegelwächter – Die Saga von Eldrid“

Spiegelwächter

Copyright: Annina Safran

Im September letzten Jahres wurde ich auf eine Leserunde auf LovelyBooks aufmerksam, in der die Autorin Annina Safran ihren Debütroman im Fantasybereich bewarb. Nach einer Leseprobe auf ihrem Blog stand fest, dass ich gerne an der Leserunde teilnehmen wollte und so erhielt ich auch ein wunderschönes Printexemplar zur Rezension. Leider bin ich erst jetzt dazu gekommen, das Buch zu lesen. Die Autorin möge mit verzeihen.

Was nach dem Lesen an Eindruck bei mir geblieben ist, ist absolut zweigeteilt.

Fünf Spiegel, fünf Häuser, fünf Spiegelwächter, eine magische Welt: Eldrid.
Die Spiegelwächter versuchen das wertvolle Licht von Eldrid zu bewahren, aber sie kämpfen gegen Godal, den übermächtigen Schatten, und Zamir, den Schöpfer der Dunkelheit. Ludmilla wird zu Hilfe gerufen, um Godal einzufangen. Doch Zamir durchkreuzt die Pläne der Spiegelwächter und beschwört ein Unheil in Eldrid hervor. Der Kampf gegen die Dunkelheit beginnt. Wird Ludmilla ihre Mission durchführen können? -Klappentext Buchcover –

An und für sich halte ich den Roman für ziemlich lesenswert. Die Autorin gehört zu den wenigen Schriftstellerinnen, der es gelingt eine gut durchdachte und damit schön nach erlebbare Fantasywelt zu gestalten. Die Wesen, die diese Welt bewohnen sind liebevoll beschrieben, mit jeweils ganz eigenen Charakterzügen. Eldrid ist halt eine Welt, die man gerne bereisen würde. Und vor allem, die Welt hat genügend Ecken und Kanten, dass sich ordentlich Stoff für eine spannende Story bietet.
Leider komme ich da aber auch schon zu den Kritikpunkten, denn die eigentliche Geschichte klingt in diesem ersten Band nur an und kann sich nicht entfalten. Das liegt aus meiner Sicht an verschiedenen Punkten und auch wenn meine Ausführungen jetzt etwas länger werden, will ich das Buch dadurch nicht herabsetzen – ich finde es schon lesenswert, wenn es auch nicht ganz meins ist.

Also, leider wird aus meiner Sicht die eigentliche Geschichte durch unendlich lange Dialoge viel zu sehr in den Hintergrund gedrängt. Dies bezieht sich vor allem auf die ganze Einführung Ludmillas als Hauptcharakter. Aus meiner Sicht ist das erste Drittel des gesamten Romans unnötig lang in der Darstellung warum Ludmilla mit 15 Jahren vom Charakter her dazu geeignet sein sollte eine an sich gefahrvolle Reise anzutreten, die ein Teenager eigentlich intuitiv scheuen würde. Und hier liegt die Ursache, warum das Buch für mich schwächelt. Ludmilla ist als Protagonist einfach nur anstrengend und leider in der Darstellung einer 15jährigen nicht gelungen. Teenager handeln noch viel mehr aus dem Bauch heraus, als sich Situationen zu durchdenken. Für mich hat die Autorin zu häufig „erwachsenes“ Gedankengut in Ludmillas innere Monologe und Dialoge hineingelegt. Und sehr regelmäßig bemühte Beschreibungen wie anfunkeln, schmollen, Kinn vorschieben, angiften machen Ludmilla nicht zu einem eigenwilligen Teen, sondern auf Dauer nur unsympathisch. Zudem gibt die Autorin Handlungen die bereits geschehen sind, anderen Mitcharakteren jedoch im Handlungsverlauf noch mitgeteilt werden müssen gerne noch einmal wortwörtlich durch Beteiligte wieder. Das zieht Dialoge und Diskussionen unnötig in die Länge und drängt eigentliche Handlungen in den Hintergrund.
Ich muss zugeben, dass ich bei etwa der Hälfte des Buches kurz davor war das Lesen abzubrechen, da noch immer kein eigentlicher „Plot“ in Sicht war. Das Durchhalten hat mich dann im weiteren Verlauf aber entschädigt, denn in der zweiten Hälfte kommt ja die eigentliche Grundhandlung stärker zum Tragen.

Soweit die Schwächen des Buches für meinen privaten Geschmack. Jetzt muss ich mich jedoch noch einmal zur Altersgruppierung des Buches äußern.
Offiziell hatte Annina Safran bei Erscheinen den Roman in die Altergruppe 8-12 Jahre und damit als Kinderbuch eingeordnet. Mittlerweile hat sie das empfohlene Lesealter auf 10-12 Jahre heraufgesetzt. Das ist immer noch der Kinderbuchbereich.
Ich habe das Buch mehreren 11 Jahre alten Mädchen (es waren drei) zum Lesen angeboten. Leider kam keines der Mädchen über Kapitel Drei hinaus. Eigentlich lesen sie alle gerne Abenteuer- und Fantasybücher. ‚Da passiert nichts.‘, ist jetzt die nette Formulierung. Da die Einführungsphase im Haus so lang ist, haben die Kids dem Buch keine Chance gegeben. Und trotz der an und für sich kurz gehaltenen Kapiteleinteilung empfanden sie das Lesen als anstrengend. Ich habe das etwas genauer hinterfragt. Anscheinend liegt es am Druckformat des Buches. Es gibt keine optischen Auflockerungen durch kleine Illustrationen und der Typendruck ist auch wie in Erwachsenenromanen eher eng im Fließtext und damit optisch monoton. Das schien die drei jungen Damen noch zu überfordern.

Für mich handelt es sich auch eher um ein Jugendbuch oder auch den Bereich der Jung Adult. Dort wird es denke ich wirklich begeisterte Leserinnen finden, die vor allem Romane lieben, in denen es um die Darstellung von Charakterentwicklungen, eingebettet in eine wunderschöne Fantasywelt geht.

Und damit komme ich wieder einmal zur Frage an mich selbst: Werde ich den zweiten Band lesen wenn er in diesem Sommer erscheint? Naja, „Der Spiegelwächter“ hat es immerhin in mein Leseregal geschafft und ich mag die Welt und bin schon neugierig wie die Autorin die eigentliche Handlung weiter gestaltet (da gibt es so viel Potential). Ich werde erst einmal regelmäßig weiter den Blog der Autorin verfolgen und mir den zweiten Band sicherlich auch zulegen, aber wohl nicht mit der ganz hohen Lesepriorität. Dafür habe ich derzeit auf meiner ganz privaten Leseliste wirklich mehr Literatur, die meinem persönlichen Geschmack entgegen kommt.

ISBN: 9783740746674
Verlag: TWENTYSIX
Erscheinungsdatum: 07.06.2018
Erscheinungsform: Paperback
Preis: 10,99 €

 

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