Johann Ohneland einmal intensiver betrachtet – Rebecca Gablés: Teufelskrone

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Copyright: Bastei-Lübbe

England an der Schwelle des 13. Jahrhunderts – oh wie sehr mich englische Geschichte fesselt. Als über die Lesejury der Verlag Bastei-Lübbe einige Rezensionsexemplare vorab vergab musste ich mich einfach bewerben. Immerhin Mittelalter – England – Rebecca Gablé – das sind schon fast Erfolgsgaranten für einen historischen Roman. Und bereits an dieser Stelle kann ich verraten – es ist eines der Top 3 Bücher für mich zu diesem Zeitpunkt in diesem Jahr.

England 1193: Als der junge Yvain of Waringham in den Dienst von John Plantagenet tritt, ahnt er nicht, was sie verbindet: Beide stehen in Schatten ihrer ruhmreichen älteren Brüder. Doch während Yvain und Guillaume of Waringham mehr als die Liebe zur selben Frau gemeinsam haben, stehen die Brüder John Plantagenet und Richard Löwenherz auf verschiedenen Seiten – auch dann noch, als John nach Richards Tod die Krone erbt. Denn Richards Schatten scheint so groß, dass er John schon bald zum Fluch zu werden droht … – Quelle

Wie soll ich meiner Begeisterung für den Roman am Besten Ausdruck verleihen?
Neben „Das Lächeln der Fortuna“ ist „Teufelskrone“ für mich der gelungenste Roman aus der Waringham Saga. Die Autorin hat für mich sehr tiefgründig recherchiert und mit Fingerspitzengefühl historische Gegebenheiten mit dichterischer Freiheit zu einem gelungenen Roman verbunden.

Und ich kann gar nicht sagen, was mir besser besser gefallen hat – die fiktive Gestalt Yvain of Waringhams oder die Darstellung Johann Ohnelands. Das ist wirklich schwierig.
Die Hauptfigur des Romans, Yvain, ist fast den gesamten Roman über die personifizierte Lehnstreue in Menschengestalt. Einmal sich für John entschieden hält Yvain ihm so lange die Treue, bis selbst er nicht mehr vor der Erkenntnis ausweichen kann, dass John ein rechter Tyrann ist. Doch der Weg bis dorthin ist lang und steinig, aber für den Leser fesselnd und informativ.
Und John Plantagenet? Naja, in der allgemein bekannten Literatur und im Film meist als egoistisch, verschwenderisch und ziemlich hinterhältig, kurzum als Fiesling dargestellt kommt er in diesem Roman im Ganzen nicht besser weg. Monstrum bleibt Monstrum, indes…

Indes betrachtet die Autorin John viel tiefgründiger und vielschichtiger. Er hat durchaus liebenswerte und menschliche Seiten und ist alles in allem ein Kind seiner Zeit und der geschichtlichen Umstände. Denn aus dem Schatten des bekannteren, aber menschlich betrachtet nicht unbedingt besseren Bruders herauszutreten, ein großes Reich auf der Insel und dem Kontinent zusammenhalten zu wollen und sich den damals gängigen Bündnissen und Gegenbündnissen gegenüber zu sehen, haben sicherlich den Charakter Johns geformt. Von daher ist John ein interessanter und ambivalenter Charakter.

Und was für mich persönlich ein sehr rundes Highlight darstellte, ist die Darstellung der englischen Geschichte bis zur Unterzeichnung der Magna Charta und wie Rebecca Gablé die Waringhams in diese Entwicklung eingebunden hat. Wirklich schön.

Also – Buch besorgen und selber lesen. Es lohnt sich, nicht nur für Fans historischer Romane und englischer Geschichte, auch Leser die große Gefühle mögen werden definitiv nicht zu kurz kommen. „Teufelskrone“ ist schon ein wenig episch und verbleibt in meinem Fanregal.

ISBN: 9783785726600
Verlag: Bastei-Lübbe
Erscheinungsdatum: 30.08.2019
Erscheinungsform: Hardcover
Preis: 28,00 €

 

  2 comments for “Johann Ohneland einmal intensiver betrachtet – Rebecca Gablés: Teufelskrone

  1. 05/09/2019 um 09:11

    Hey Kerstin,

    eine tolle Liebeserklärung an das Buch. Gerade den 3. Leseabschnitt fand ich richtig spannend. Leider hat mir der letzte Abschnitt nicht so gut gefallen wie der Rest, so dass es bei mir nur 4 Sterne geworden sind. Ansonsten gebe ich dir aber recht. Ich fand es interessant auch andere Seiten von John Ohneland kennen zu lernen und die Waringhams sind wieder mega gut in den historischen Kontext eingebaut.
    Ich werde dich in meiner Rezension, die Samstag online geht, verlinken.

    Lg, Moni

    Gefällt 1 Person

    • 07/09/2019 um 09:21

      Hallo Moni,

      vielen Dank für deinen netten Kommentar. Ja, von der Geschichte her kann der Roman die Gemüter schon ein wenig spalten. Aber finde ich immer wieder, dass Rebecca Gablé zur Zeit die beste deutschsprachige Autorin ist, der es gelingt historischen Kontext in schöne Geschichten zu verpacken, die einem beim Lesen auch mitnehmen.

      LG Kerstin

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