Ein Geschichtsbuch wäre mir lieber – Wältermann, Joachim: „Mythos – Klinge der Wahrheit“

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Copyright: Joachim Wältermann

Ich habe wieder einmal auf meiner Lieblingsplattform LovelyBooks an einer Leserunde teilgenommen. Das Buch sprach mich an, da der Autor mit einer Neuinterpretation der Heldengeschichte von Theseus winkte – weniger Mythologie, mehr Historisches ‚Es könnte so gewesen sein‘. Da ich griechische Heldensagen bereits als Kind sehr mochte, war ich wirklich gespannt auf das, was ich da lesen würde; doch am Ende muss ich leider eingestehen, dass ich mit dem Buch gar nicht zurecht kam.

13. Jh. v. Chr.: Dies ist die Geschichte von dem Königssohn Theseo, der als Kind von Amazonen verschleppt wurde. Doch die Jahre der Unterdrückung und des Missbrauchs haben ihn nicht zu brechen vermocht. Endlich glaubt er, dass die Flucht gelingen kann. Er will die weit entfernten Burgen der Männer erreichen, die er bloß noch aus seinen Träumen kennt. Nur mit der zerbrochenen Klinge seines Vaters bewaffnet, fordert er den Zorn der Großen Göttin heraus. Noch ahnt Theseo nicht, dass über seinen Träumen von Freiheit bereits der Schatten des Krieges schwebt … – Quelle

Was soll ich zum Inhalt sagen?
Alle in den Legenden um Theseus bekannten Figuren (auch Randfiguren wie Medea) kommen in der Handlung vor. Mal, so wie man sie aus der griechischen Mythologie im Zusammenhang mit Theseus kennt, mal in einem etwas anderen Kontext. Das fand ich an der ganzen Geschichte auch recht schön.
Was mich jedoch inhaltlich wirklich irritiert hat ist der Versuch der Darstellung der bronzezeitlichen Kultur am Übergang von matriarchaler Struktur zum Patriarchat auf dem griechischen Festland. Das hätte ich nicht in dieser Geschichte erwartet und ich fand es auch nicht schön umgesetzt. Der mythologische Theseus  ist zwar mit Herakles gegen die Amazonen gezogen, aber ein Amazonenhasser war er wohl eher nicht, so dass sich mir eigentlich eher die Frage stellt, warum der Autor gerade Theseus als Vorlage für seinen Helden genommen hat. Das hat sich mir nicht erschlossen.

Warum?
Da ist vor allem der Schreibstil des Autors zu nennen. Sehr lange Kapitel, die keine Gliederung hatten, so dass es teilweise bei mir zu Verständnisschwierigkeiten führte, bis ich mitbekam, dass bisweilen so etwas wie Traumsequenzen oder innere Zwiegespräche in den Kapiteln enthalten waren. Aber diese waren weder durch einen Absatz oder eine andere Form der Gliederung vom Text der aktuellen Handlung getrennt.
Zudem wollte der Autor das Fachwissen, dass er um die gesellschaftlichen Entwicklungen, um die Orte des Geschehens und deren Kulturen hatte dem Leser anscheinend näher bringen. Aber da muss ich zugeben, dass ich lieber ein richtiges Fachbuch zu griechischer Geschichte bevorzugt hätte. Irgendwie zerrissen die Beschreibungen immer die aufkommende Handlung. Und letztendlich muss ich gestehen kann ich der Form der Namensschreibung der Personen nicht viel abgewinnen. Hier wählte der Autor beim Genitiv der Personennamen eine griechische Transkiptionsform. Das ist beim Lesen eher hinderlich.

Was bleibt unter dem Strich?
Eigentlich ein Roman mit Höhen und Tiefen. Die Darstellungen sind nicht uninteressant, jedoch für mich gar nicht nachvollziehbar an die Theseusdarstellung angelehnt. Da lese ich lieber Fachliteratur und klassische griechische Mythologie getrennt voneinander.

ISBN: 9781099321078
Verlag: Independently published
Erscheinungsdatum: 13.06.2019
Erscheinungsform: epub
Preis: 3,99 €

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